Studierende der Landwirtschaftsschule Straubing engagieren sich für Artenvielfalt
Hashtag #BieteLebensraum #SucheMitbewohner

Vor einem Jahr ist es in Kraft getreten, das Änderungsgesetz zum Bayerischen Naturschutzgesetz. Gemeinsam mit dem "Versöhnungsgesetz" ist es die Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen".

Was hat sich seither getan? Hat sich die Situation von Grashüpfern und Schmetterlingen, Käfern und Ameisen tatsächlich verbessert? Denn, anders als der Titel des Volksbegehrens den Anschein erweckte, ging es nie nur um die Bienen. Das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte Bayerns hatte den Erhalt der Artenvielfalt und Naturschönheit zum Ziel.
Artenvielfalt wird häufig synonym zur Biodiversität verwendet, obwohl sie nur ein Teil davon ist. Das Wort Biodiversität setzt sich aus dem griechischen Wort "bios" (Leben) und dem lateinischen Wort "diversitas" (Vielfalt) zusammen. Der Begriff "Biodiversität" steht für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde.
Artenvielfalt? - Ich mach was!
Jeder ist gefordert. Jeder einzelne kann und soll etwas für den Artenschutz und den Erhalt der Vielfalt tun. Wenn an vielen Orten von jedem einzelnen eine kleine Maßnahme umgesetzt wird, ergibt sich bayernweit ein beachtlicher Effekt.
Besonders gefordert sind natürlich die Landwirte. Sie arbeiten in der Natur und mit der Natur. Die Studierenden der Landwirtschaftsschule Straubing haben sich im Wintersemester 2019/20 im Fach Naturschutz- und Landschaftspflege intensiv mit dem Thema "Biodiversität" auseinandergesetzt und Konzepte für ihre Betriebe entwickelt, um so einen eigenen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.
Teil der Initiative der Studierenden ist es auch, über ihre Projekte und deren konkreten Nutzen für die Biodiversität zu informieren. Dazu wurden Infotafeln entworfen und aufgestellt.

Projekte der Studierenden

So vielfältig wie die 21 Betriebe der Studierenden sind, so unterschiedlich sind auch ihre Projekte zum Erhalt oder zur Steigerung der Biodiversität. Jede einzelne Maßnahme trägt dazu bei, dass es grünt und blüht, flattert und summt. Einfach anklicken und mehr Inormationen zu den einzelnen Projekten erhalten. Nachahmer willkommen!

Vielfalt statt Einfalt

Wagner Stangenbohnen
Historisch gewachsene Kulturlandschaften sind geprägt von der Vielfalt der Kulturpflanzen. Mehrgliedrige Fruchtfolgen tragen dazu bei, diese Vielfalt zu erhalten. Neben den unterschiedlichen Kulturen trägt auch die Vielzahl an Sorten entscheidend zur Artenvielfalt in der Kulturlandschaft bei. Genetische Vielfalt hat viele Vorteile. Alte Sorten haben Eigenschschaften, die für neue Züchtungen genutzt werden können. Und Vielfalt schmeckt!

Vielfalt statt Einfalt

Knapp ein Drittel der Fläche Bayerns ist Ackerland. Vielfältige Fruchtfolgen tragen dazu bei, dass auf den Ackerflächen immer etwas blüht und die Bienen in kein sog. "Trachtloch" fallen. Sehr früh im Jahr locken die Rapsblüten die Bienen an. Sind Leguminosen, wie Ackerbohnen, Erbsen oder Soja in der Fruchtfolge, verlängert sich das Pollen- und Nektarangebot um etwa zwei Monate. Durch den Anbau von Phacelia, Senf oder Buchweizen als Zwischenfrucht finden die Bienen bis in den Herbst hinein Nahrung auf dem Ackerland. Auch der Anbau von Energiepflanzen kann "vielfältiger" erfolgen. Durchwachsene Silphie anstelle von Mais oder der Mischanbau von Mais und Stangenbohnen sorgen für mehr Artenvielfalt.
Studierende steht im Kartoffelfeld und hält die Knollen verschiedener Kartoffelsorten in der Hand

Sortenvielfalt

Studierender steht vor seinem Feld mit Futtererbsen

Vielfältige Fruchtfolge

Studierender steht vor seinem Feld mit Durwachsener Silphie

Vielfalt bei den Energiepflanzen

Studierender hat auf seinem Feld Mais und Stangebohnen gemeinsam angebaut und erklärt die Vorteile

"Gemengelage"

Blühflächen sind echte Hingucker

Der Studierende steht in seinem Blühstreifen.
Blühflächen und Blühstreifen sehen nicht nur schön aus, sondern bieten Insekten, Feldvögeln und Niederwild ganzjährig Nahrung und Rückzugsräume. Die Pflanzenvielfalt in der Blühmischung sorgt für einen langen Blühzeitraum. Blühstreifen sind wichtige Strukturelemente und helfen, Biotope zu vernetzen.

Blühflächen sind echte Hingucker

Blühflächen und Blühstreifen sind nahezu an jedem Standort eine Bereicherung. Sie sind entlang von Hecken, Baumreihen oder Waldrändern ebenso ökologisch wertvoll wie in der freien Feldflur. Auf erosionsgefährdeten Flächen tragen Blühstreifen zum Erosionsschutz bei.
Für ökologisch wertvolle Flächen ist es wichtig, dass die Blühmischung vielfältig und ausgewogen sind. Es sollen nicht nur einige wenige Arten dominieren. Verschiedene Blütenformen und ein gefächerter Blühzeitraum bieten vielen Arten über einen langen Zeitraum Nahrung. Bestände, die bis ins Frühjahr stehen bleiben, sollten auch überwinternde Arten wie Gelbklee oder Luzerne enthalten. Bei mehrjährigen Mischungen ist darauf zu achten, dass sie über mehrere Jahre arten- und blütenreich bleiben. Zertifiziertes Regio-Saatgut enthält gebietseigene Wildpflanzen und ist daher besonders wertvoll. Die Wildpflanzen sind optimal an den Standort angepasst und die Tierwelt wiederum an die Wildpflanzen.
Studierender steht im Blühstreifen, den er um sein Kartoffelfeld angelegt hat

Blühfläche zieht Nützlinge an

Studierende zeigt ihren Blühstreifen, der am Rand eines Maisfeldes eingesät ist

Mais bekommt blühenden Rahmen

Studierender zeigt die blühenden Ecken seines Feldes

Blühende Ecken

Studierender hat auf noch nicht genutzten Bauplätzen eine Blühfläche angelegt

Natur vor der Haustür

Studierender steht in seinem Blühstreifen zwischen Wohnbausiedlung und Maisfeld

Blühende Argumente

Studierender steht in seiner Blühfläche

Blühstreifen und Lerchenfenster

Mehr Wildnis wagen

Ein Studierender überlässt manche Ecken seiner Hofstelle der Natur. Er steht in einem Grünstreifen, der länger nicht gemäht wurde.
Es lebe die Unordnung! Oder muss es heißen „Die Unordnung lebt!“ Der nicht gemulchte Feldrand, das "Unkraut"eck oder Totholz, das nicht entfernt wird … all das bietet wertvolle Behausungen, Rückzugsorte und Futterstellen für die verschiedensten Tierarten. Manchmal bedeutet Biodiversität gerade nicht aktiv werden, einfach mal nichts machen und die Natur sich selbst überlassen.

Mehr Wildnis wagen

Der Natur überlassene Bereiche dienen sowohl dem Niederwild als auch vielen Kleinsäugern im Winter als Deckungs- und Rückzugsräume. Auch Schmetterlinge, Wildbienen und anderen Insekten sind auf Überwinterungsmöglichkeiten angewiesen. Verblühte Blütenstände und über den Winter verbleibende Fruchtstände von Gehölzen oder Stauden helfen bei uns überwinternden Vogelarten und anderen Tierarten auch in der kalten Jahreszeit Nahrung zu finden. Also einfach mal Randbereiche auf dem Acker stehen lassen, Grünland nicht bis in die letzte Ecke abmähen oder Wildkräutern im Hof und Hausgarten ein paar Quadratmeter überlassen. "Weniger aufräumen" ist ein effektiver Beitrag zur Artenvielfalt.
Studierender vor einer nicht gemähten Ecke auf seiner Hofstelle

Naturnaher Hofraum

Studierende vor ihrer Altgrasinsel um eine Baumgruppe auf einer Wiese

Altgrasinsel als Brutplatz

Studierender auf seiner Wiese, die erst später gemäht wird

Späte Mahd erleichtert Nahrungsuche

Studierender vor einem Totholzbaum

Totholzbäume sind eigene Biotope

Untermieter gesucht

Studierender vor seinem Lesesteinhaufen
Um Insekten (aber auch anderen Tieren) mehr Lebensraum zu bieten, helfen schon kleine einfache Maßnahmen. Ein Vogelhaus, ein Insektenhotel oder eben ein Lesesteinhaufen. Die aufgeschichteten Steine bieten vielen Tieren durch die Zwischenräume Schutz vor Feinden. Wärmeliebende Tiere wie Zauneidechsen, Blindschleichen, Spinnen, Käfer und Wildbienen fühlen sich dort wohl.

Untermieter gesucht

Nistkästen werden von verschiedenen Vögeln (wie Meisen, Mauerseglern und Schwalben) zur Aufzucht ihrer Brut und Jungtiere sowie als Nachtquartier genutzt. Die aufgeschichteten Steine der Lesesteinhaufen bieten vielen Tieren durch die Zwischenräume Schutz vor Feinden. Wärmeliebende Tiere wie Zauneidechsen, Blindschleichen, Spinnen, Käfer und Wildbienen fühlen sich dort wohl. Mit Insektenhotels können verschiedene Insekten und vor allem Wildbienen gefördert werden. Wichtig ist die Wahl eines geeigneten Standorts.Günstig ist immer sonnig und windgeschützt. Außerdem ist ein ausreichendes Futterangebot in der Umgebung wichtig.
Studierender präsentiert seine selbstgebauten Vogelnistkästen

Nistkästen für "heimische Flieger"

Der Studierende erklärt den Aufbau seines Insektenhotels

Insektenhotel

Studierender vor seinem Lesesteinhaufen

Lesesteinhaufen als Kleinbiotop

Lebensräume schaffen und Landschaftsbilder prägen

Studierender steht vor seinen neu angepflanzten Lindenbäumen
Landschaftselemente schaffen Lebensraum. Naturnahe Hecken, Feldgehölze und Einzelbäume sind ebenso wie Tümpel wichtige Elemente unserer Kulturlandschaft. Sie dienen vielen Tierarten als Nahrungs-, Brut- bzw. Aufzuchtplatz, Ruhestätte und Winterquartier. In Tümpeln tummeln sich besonders viele Arten. Für den Biotopverbund leisten diese Strukturelemente wertvolle Dienste und wirken der Verinselung von Lebensräumen entgegen.

Lebensräume schaffen und Landschaftsbilder prägen

Hecken und Feldgehölze sind für Bienen eine wichtige Nahrungsquelle und bieten den Wildbienen gleichzeitig Platz zum nisten. Haseln, Schlehen, Weiden, Erlen und Birken sind die ersten Nahrungslieferanten im Frühjahr. Etwas später dran als Pollenlieferanten sind Obstbäume, Wildrosen, Weißdorn und Hartriegel. Als echte Sommerblüher sind Linden in Hecken, Feldgehölzen oder als Einzelbäume besonders wichtig für ein dauerhaftes Nahrungsangebot.
Auch Tümpel sind wertvolle Lebensräume. Sie können in natürlichen Senken entstehen, in denen sich automatisch Wasser sammelt. Amphibien wie Kröten und Frösche nutzen die Mulden als Laichplätze. Für Säugetiere, Vögel und Insekten sind sie Tränke und Badegelegenheit.
Studierende steht vor der neu angepflanzten Hecke

Naturnahe Hecke

Studierender steht vor seinen neu angepflanzten Lindenbäumen

Linden prägen Landschaftsbild

Studierender hat einen Tümpel im Wald angelegt und erklärt dessen Nutzen für Flora und Fauna

Tümpel als Lebensraum

Biodiversität

Die biologische Vielfalt - Ökosysteme, Arten und Gene

Biodiversität umfasst drei große Bereiche, die eng miteinander verzahnt sind: die Vielfalt der Lebensräume (wie Wälder, Seen, Felder oder Wiesen), auch Ökosysteme genannt, die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Die Vielfalt dieser drei Bereiche – Ökosysteme, Arten und Gene – ergeben zusammen die Biodiversität, die biologische Vielfalt.

Biodiversität im Landkreis Straubing-Bogen und der Stadt Straubing