Landwirtschaftsschule, Abteilung Landwirtschaft
Tschechische Schüler zu Gast

Schulleiter Josef Groß steht vor einer Leinwand mit PowerPoint-Präsentation

"Ahoj a dobry den – Servus und guten Tag!" hieß es an der Landwirtschaftsschule Straubing als 20 Schülerinnen und Schüler der Höheren Fachschule und Mittelfachschule für Landwirtschaft aus Tabor, Tschechien, im November 2018 zu Besuch waren.

Bei ihrem viertägigen Aufenthalt besuchten sie landwirtschaftliche Betriebe ebenso wie das Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing oder die Zuckerfabrik in Plattling. Bei einer Stadtführung in Straubing besichtigten sie den Römerschatz. Die Studierenden des 1. Semesters freuen sich bereits auf ihren Gegenbesuch in Tschechien Ende November.
Europaregion Donau-Moldau
In nur einer Stunde ist Tschechien von Straubing aus zu erreichen und doch erscheinen Sprache und Kultur vielen von uns fremd. Bereits seit 2012 gibt es die Europaregion Donau-Moldau mit dem Ziel, den gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum weiterzuentwickeln und die Forschungs- und Bildungsmöglichkeiten durch Zusammenarbeit von Universitäten und Schulen auszubauen. Der zum ersten Mal stattfindende Schüleraustausch zwischen den beiden Landwirtschaftsschulen ist eine gute Möglichkeit dazu.
Tabor, die zweitgrößte Stadt in Südböhmen ist gerade mal 230 Kilometer und gut drei Stunden Fahrt entfernt. Die dortige Landwirtschaftsschule blickt auf eine 150-jährige Geschichte zurück und ist mit einer Fachoberschule zu vergleichen. Wer dort das Abitur erwirbt, kann seine Ausbildung an der Höheren Fachschule (vergleichbar unseren Fachhochschulen) fortsetzen.
Bayerische Brotzeit und Blasmusik
Herzlich willkommen geheißen wurden die Tschechen mit ihrer Schulleiterin Frau Horejsi bei einem Begrüßungsabend an der Landwirtschaftsschule Straubing. Bei bayerischer Brotzeit und zünftiger bayerischer und böhmischer Blasmusik lernten sich die Schüler und Studierenden kennen.
Kein Tschechisch auf Seiten der Straubinger und wenig Deutschkenntnisse bei den tschechischen Schülern hinderte die jungen Leute nicht daran ins Gespräch zu kommen. Die Weltsprache Englisch hilft weiter. Für den fachlichen Austausch hatte die tschechische Gruppe zwei Lehrerinnen dabei, die souverän dolmetschten.
Landwirtschaft in Tschechien - Landwirtschaft in Bayern
Schulleiter Josef Groß stellte die Landwirtschaft im Gäuboden und im angrenzenden bayerischen Wald vor.

Durchaus interessant ist der Vergleich beider Länder:

  • Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Tschechien und Bayern ist in etwa gleich: gut 3 Millionen Hektar.
  • Auf beiden Seiten arbeiten ca. 130.000 Personen in der Landwirtschaft.
  • In Bayern gibt es viermal so viele Betriebe (106.000).
  • Dafür bewirtschaften die tschechischen Betriebe mit durchschnittlich 133 Hektar fast viermal so viel Fläche.
Um einen ersten Eindruck von den Betrieben im Schulgebiet zu bekommen, stellten drei Straubinger Studierende ihre Betriebe vor.
Besichtigungen von unterschiedlichen Betrieben
An den weiteren Tagen lernte die tschechische Gruppe Familienbetriebe kennen: Von einem Milchviehbetrieb mit Melkroboter über einen Gemüsebaubetrieb, der einen eigenen Hofladen betreibt, bis hin zu einem großen Ackerbaubetrieb mit Schweinemast und Biogasanlage reichte die Bandbreite.
Auch der vor- und nachgelagerte Bereich der Landwirtschaft stand auf dem Programm. Besucht wurde die Saatzucht Ackermann, die ihren Hauptstandort im Landkreis hat. Bereits seit 1903 werden dort sowohl Sommer- als auch Wintergerste gezüchtet. Verwendung finden die zwei- und mehrzeiligen Sorten als Brau-, Craft-, Whisky- und Futter-Gerste.
Straubing-Bogen als "Region der nachwachsenden Rohstoffe"
Dass der Landkreis Straubing-Bogen zu Recht als "Region der nachwachsenden Rohstoffe" bezeichnet wird, verdeutlichte ein Besuch des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe deutlich. Dort wird der umweltfreundliche Einsatz von Biomasse erforscht und gefördert. Die entwickelte Siloabdeckung auf Basis Nachwachsender Rohstoffe ist mittlerweile praxisreif und wurde bei der EuroTier 2018 dem Fachpublikum vorgestellt.
Am Ende des viertägigen Besuches waren sich alle einig: "Man weiß eigentlich viel zu wenig von seinen Nachbarn. Der Austausch soll fortgesetzt werden". Der Gegenbesuch ist bereits geplant. Die Studierenden des 1. Semesters freuen sich auf ihre Lehrfahrt nach Tschechien.

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