Landwirtschaftsschule Straubing, Abteilung Landwirtschaft
"… im Januar kommt die Verordnung und im März sind wir dann alle Bio"

Kritischen Fragen und manchmal auch pointiert formulierten Aussagen der Studierenden der Landwirtschaftsschule Straubing stellte sich "der oberste Beamte" der Landwirtschaftsverwaltung, Amtschef Hubert Bittlmayer, im März 2018. Zwei Stunden lang wurden die Agrarpolitik und ihre Auswirkungen auf die bayerischen Bauern diskutiert.

Einig war man sich, dass die bayerischen Bauern "nicht nur reagieren dürfen, nicht nur die Getriebenen der öffentlichen Meinung sein dürfen, sondern agieren müssen." Bittlmayer sah sich mit dem "Bayerischen Weg der Agrarpolitik" dabei auf einem guten Weg.
Einsatz von Glyphosat
Agrarpolitik geht uns alle an. Themen wie Tierwohl und der Einsatz von Glyphosat werden längst nicht mehr nur von Fachleuten diskutiert. Quer durch alle Medien wird berichtet. Für angehende Landwirtschaftsmeister sind solche Themen allerdings nicht nur interessant oder der "Aufreger der Woche", sondern haben ganz konkrete Auswirkungen auf ihren Arbeitsalltag - wie zuletzt bei Glyphosat, das zwar nach wie vor zugelassen ist, aber von den Lieferanten der beiden Molkereien Berchtesgadener Land und Goldsteig nach dem Presserummel der vergangenen Wochen nicht mehr eingesetzt werden darf.
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Entsprechend provokant formulierte ein Studierender sein Anliegen: "Im Januar kommt die Verordnung und im März sind wir dann alle Bio. Womit müssen wir in Zukunft beim Pflanzenschutz rechnen?" Ministerialdirektor Bittlmayer stellte dazu klar: "Wir müssen uns den Diskussionen, die uns die Gesellschaft aufdrückt, stellen. Politik muss Antworten geben." Grundphilosophie des "Bayerischen Weges" ist es, dass beide Seiten eines Themas gesehen werden. Will heißen: Erfolgreich ist Agrarpolitik dann, wenn nicht nur die bayerischen Landwirte leistungs- und wettbewerbsfähig sind und bleiben, sondern die Wirtschaftsweise auch auf breiten gesellschaftlichen Konsens trifft.
Grundsätzlichen Konsens finden
Nicht einzelne Aspekte wie der Einsatz von Glyphosat sollen emotional diskutiert werden, sondern ein grundsätzlicher Konsens gefunden werden, wie Ackerbau in Bayern aussehen soll. Dazu werden vom Landwirtschaftsministerium im Rahmen der "Ackerbaustrategie" Konzepte entwickelt. Fragen die dabei zu beantworten sind: Wie kann es gelingen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und weiterhin professionell Ackerbau zu betreiben? Welche Zeiträume sind nötig, um Veränderungen in der Praxis umsetzen zu können? Wer trägt die zusätzlichen Kosten? Dieser fachliche Diskurs ist die Grundlage für politische Weichenstellungen. Allerdings sind rein fachliche Argumente nicht allein ausschlaggebend. Politik bedeutet immer auch Abwägung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen und das Aushandeln von Kompromissen.
"Agrarpolitik setzt den Rahmen, die Landwirte müssen den Rahmen ausfüllen", sagte Bittlmayer.