Landwirtschaftsschule, Abteilung Landwirtschaft
Jeder macht Öffentlichkeitsarbeit - freiwillig oder unfreiwillig

Am 22. Februar 2017 fand an der Landwirtschaftsschule Straubing ein Seminartag zur Medienkompetenz und Öffentlichkeitsarbeit statt.
Bereits im Vorfeld hatten sich die Studierenden des 3. Semesters damit beschäftigt, in welchen Medien und vor allem wie über Landwirtschaft berichtet wird. Dabei wurde schnell deutlich, dass das Bild von Landwirtschaft stark davon beeinflusst wird, welche Medien genutzt werden.
Wie leicht Fake News zu produzieren sind, probierten die Studierenden selbst aus. Schulleiter Josef Groß staunte nicht schlecht, als er las, dass an seiner Schule nun Anzug und Krawattenpflicht herrsche. Alles belegt mit einem Beweisfoto.
Was zunächst nach einem Aufreger klang, stellte sich als postfaktische Wahrheit heraus. Ja, die Studierenden waren mit Anzug und Krawatte im Unterricht, um für das gemeinsame Klassenfoto schick zu sein, aber eben nur aus diesem Grund.
Wer aber steckt hinter den Berichten und warum wird berichtet wie berichtet wird? Um dieser Frage nachzugehen, berichteten zwei Journalistinnen und eine Bloggerin an der Landwirtschaftsschule Straubing von ihrer Arbeit.
"Vierte Kraft im Staat"
Birgit Fürst, feste freie Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk (BR), referierte zum Thema "Wie ticken Funk und Fernsehen – Berichterstattung in überregionalen Medien". Den Auftrag des BR als "vierte Kraft im Staat" definiere das Bayerische Rundfunkgesetz von 1948: Er müsse einen objektiven, umfassenden Überblick des internationalen, nationalen und bayerischen Geschehens in allen Lebensbereichen geben. Zahlreiche feste freie Mitarbeiter berichten dafür aus dem Freistaat. Einen Beitrag wert sei alles, was überregional interessant oder kurios sei. Eine Größe in der bayerischen Fernsehlandschaft sei die Sendung "Unser Land", die zwar nicht immer zur Zufriedenheit aller, aber realistisch und ausgewogen von der Landwirtschaft berichte.
Globale Themen lokalisieren
Zum Thema "Mit Printmedien erfolgreich – was macht eine gute Heimatzeitung aus" sprach Sophie Schattenkirchner, Redakteurin beim Straubinger Tagblatt. Eine Herausforderung für alle Tageszeitungen sei die Informationsflut auf allen Kanälen. Aktuelle Meldungen verbreiteten sich im Internet nahezu in Echtzeit. Eine Zeitung, die erst am nächsten Tag darüber berichten könne, müsse dann einen entsprechenden "Mehrwert" liefern. Das Straubinger Tagblatt liefere deshalb Hintergrundinformationen und Analysen, damit der Leser Themen einordnen könne. Wichtig sei dabei zu fragen, welche Bedeutung ein globales Thema für die Leser vor Ort habe. Nur wenn es gelinge, Globales zu lokalisieren, bleibe die Zeitung für die Leser interessant.
Mitten drin statt nur dabei
"Jeder macht Öffentlichkeitsarbeit, jeden Tag, freiwillig oder unfreiwillig", so Bettina Hanfstingl in ihrem Vortrag "Unterwegs in den sozialen Medien – Erfahrungen einer Pflanzenbau-Reporterin". Die Fragen seien: Wie werden Landwirte wahrgenommen? Und wird manches – häufig aus Unwissenheit – falsch interpretiert? Als Pflanzenbau-Reporterin berichtt Hanfstingl auf Facebook über ihren Berufsalltag als Landwirtin und erklärt ihren Followern, was aktuell auf den Äckern und Wiesen stattfinde - ein Schritt, um die Akzeptanz der modernen Landwirtschaft zu steigern. Wichtig seien Bilder. Der Betrachter solle sich mitten im Geschehen fühlen: Beim Silieren nicht vom Feldrand, sondern vom Fahrersitz aus zusehen. Hanfstingl will mit ihren Bildern zwar die Realität abbilden, aber auch Emotionen transportieren: Landwirte lieben ihre Arbeit und wollen weder ihren Böden noch ihren Tieren schaden.

Weitere Bilder vom Seminartag